· 8 Min. Lesezeit
Warum wir Google, AWS und Microsoft den Rücken gekehrt haben
Unser ehrlicher Erfahrungsbericht: Wie wir als IT-Dienstleister unseren kompletten Stack auf europäische und selbst gehostete Alternativen umgestellt haben – und warum wir es wieder tun würden.

TL;DR
Wir haben unseren kompletten Tech-Stack von US-Anbietern (Google Workspace, AWS, 1Password) auf europäische und selbst gehostete Alternativen umgestellt – und sparen dabei über 2.500 € pro Jahr.
- Von 288 € auf 75 € monatliche Toolkosten (kSuite, Hetzner, Vaultwarden, Umami)
- Volle DSGVO-Konformität – alle Daten in Deutschland und der Schweiz
- Kein Vendor Lock-in, keine Überraschungen bei Preisen oder Nutzungsbedingungen
- Migration hat 2 Wochen gedauert (parallel zum Tagesgeschäft)
Anfang 2024 sah unser Tech-Stack aus wie bei den meisten IT-Unternehmen: Google Workspace für Mail und Kalender, AWS für Hosting, 1Password für Passwörter, ChatGPT für KI-Unterstützung. Alles lief. Alles war bequem. Und genau das war das Problem.
Denn „bequem" heißt auch: abhängig. Abhängig von US-Konzernen, die ihre Preise jährlich erhöhen. Abhängig von Datenschutzabkommen, die jederzeit kippen können. Abhängig von Unternehmen, die unsere Daten als Geschäftsmodell betrachten.
Wir haben uns gefragt: Wenn wir unseren Kunden empfehlen, ihre Daten souverän zu halten – sollten wir das nicht selbst vorleben? Die Antwort war ein klares Ja. Hier ist unsere Geschichte.
Warum haben wir uns von US-Cloud-Anbietern getrennt?
Es gab nicht den einen Auslöser. Es war eine Kombination aus vielen kleinen Dingen, die sich aufgestaut haben:
- Google hat die Workspace-Preise erhöht – zum dritten Mal in zwei Jahren. Für unser 5-Personen-Team waren es plötzlich über 80 € pro Monat, nur für Mail und Kalender.
- AWS-Rechnungen wurden unberechenbar. Ein vergessener Testserver hier, ein Datenbank-Snapshot da – am Ende des Monats kamen regelmäßig Überraschungen.
- Das Privacy Shield wurde gekippt (Schrems II). Plötzlich war unklar, ob unsere Kundendaten in der Google Cloud überhaupt DSGVO-konform liegen.
- 1Password wurde von Investoren übernommen und der Fokus verschob sich merklich Richtung Enterprise. Features, die wir brauchten, landeten im teuersten Tarif.
Der eigentliche Wendepunkt? Ein Kundengespräch. Ein Geschäftsführer fragte uns: „Ihr empfehlt uns europäische Alternativen – was nutzt ihr denn selbst?" Wir haben gestottert. Das war der Moment.
Wie sah unser alter Stack aus – und was hat er gekostet?
| Bereich | Vorher (US) | Monatliche Kosten |
|---|---|---|
| E-Mail, Kalender, Docs | Google Workspace Business | ~84 € (5 User) |
| Hosting & Server | AWS (EC2, RDS, S3) | ~180 € (variabel) |
| Passwort-Management | 1Password Teams | ~24 € |
| Analytics | Google Analytics | 0 € (Daten als Preis) |
| CRM | HubSpot Free | 0 € (eingeschränkt) |
| Gesamt | ~288 € / Monat | |
288 € klingt vielleicht nicht viel. Aber rechnet das auf ein Jahr hoch: knapp 3.500 €. Für Tools, bei denen wir keinerlei Kontrolle über unsere Daten hatten. Und die Tendenz war klar steigend.
Welche europäischen Alternativen nutzen wir jetzt?
| Bereich | Jetzt (EU/Self-Hosted) | Monatliche Kosten |
|---|---|---|
| E-Mail, Kalender, Docs | kSuite (Infomaniak, Schweiz) | ~30 € (5 User) |
| Hosting & Server | Hetzner Cloud + Coolify | ~45 € (fix) |
| Passwort-Management | Vaultwarden (self-hosted) | 0 € (im Server inkl.) |
| Analytics | Umami (self-hosted) | 0 € (im Server inkl.) |
| CRM | EspoCRM (self-hosted) | 0 € (im Server inkl.) |
| Monitoring | Uptime Kuma (self-hosted) | 0 € (im Server inkl.) |
| SSO / Login | Keycloak (self-hosted) | 0 € (im Server inkl.) |
| Gesamt | ~75 € / Monat | |
Von 288 € auf 75 €. Das sind über 2.500 € Ersparnis pro Jahr. Aber der Preis war ehrlich gesagt nicht der Hauptgrund. Der Hauptgrund war: Wir haben jetzt die volle Kontrolle.
Wie lief die Migration ab – und was hat wirklich funktioniert?
Wir lügen euch nicht an: Es war Arbeit. Nicht weil die Tools schlecht sind, sondern weil jede Migration Zeit kostet. Hier die Wahrheit:
Was sofort funktioniert hat
- Vaultwarden – Export aus 1Password, Import in Vaultwarden, fertig. Die Bitwarden-Apps funktionieren auf allen Geräten identisch. Zeitaufwand: 30 Minuten.
- Umami – Docker-Container deployen, Tracking-Script einbinden, Cookie-Banner abschalten. Zeitaufwand: 1 Stunde.
- Uptime Kuma – Monitoring für alle unsere Dienste in unter einer Stunde konfiguriert. Push-Benachrichtigungen über Slack.
Was etwas gedauert hat
- Mail-Migration – DNS-Records umstellen, MX-Einträge, SPF, DKIM, DMARC. Die eigentliche Mail-Migration mit kSuite ging reibungslos, aber DNS-Propagation braucht eben 24-48 Stunden.
- Keycloak-Setup – SSO für alle Self-Hosted-Apps einzurichten ist nicht trivial. Aber es lohnt sich: Ein Login für alles.
- AWS-Ablösung – Die bestehenden Projekte Schritt für Schritt auf Hetzner + Coolify umzuziehen hat etwa 2 Wochen gedauert (parallel zum Tagesgeschäft).
Was wir vermissen
Ehrlich? Fast nichts. Google Docs war etwas komfortabler beim gleichzeitigen Bearbeiten – aber kSuite Docs reicht für unsere Zwecke völlig aus. Und der AWS-Service-Katalog ist natürlich riesig – aber für ein KMU braucht man 95 % davon schlicht nicht.
Das Einzige, das wir ab und zu vermissen: Google Maps Integration in den Kalender. Kleiner Komfortverlust, großer Zugewinn an Unabhängigkeit.
Was bringt der Wechsel neben der Kostenersparnis?
- Glaubwürdigkeit: Wenn wir Kunden beraten, sprechen wir aus eigener Erfahrung. „Das nutzen wir selbst" ist das stärkste Verkaufsargument.
- Kein Vendor Lock-in: Wenn Infomaniak morgen die Preise verdoppelt, ziehen wir weiter. Unsere Daten gehören uns. Bei Google wäre das deutlich schwieriger.
- DSGVO-Sicherheit: Alle Daten liegen in der Schweiz oder auf deutschen Servern. Kein CLOUD Act, kein transatlantisches Datenschutz-Roulette.
- Transparente Kosten: 75 € pro Monat. Punkt. Keine Überraschungen, keine versteckten Gebühren, keine Preiserhöhungen alle 6 Monate.
- Das Gefühl: Es klingt vielleicht pathetisch, aber es fühlt sich richtig an. Wir sind nicht mehr das Produkt. Wir sind der Kunde.
Ist das auch etwas für euer Unternehmen?
Wir werden oft gefragt: „Klappt das auch bei uns?" Die Antwort ist fast immer: Ja. Wenn euer Unternehmen diese Kriterien erfüllt, seid ihr perfekte Kandidaten:
- Bis zu 50 Mitarbeiter
- Standard-Office-Bedürfnisse (Mail, Kalender, Docs, Videocalls)
- Keine speziellen Google-Workspace-Integrationen (z.B. AppSheet, BigQuery)
- Wunsch nach DSGVO-Konformität ohne Wenn und Aber
- Bereitschaft, 2-4 Wochen in die Umstellung zu investieren
Was ihr nicht braucht: Ein eigenes IT-Team. Dafür gibt es uns. Wir haben die Umstellung bei uns selbst gemacht und begleiten mittlerweile andere Unternehmen dabei.
Mehr erfahren
Dieser Artikel ist der Auftakt unserer Blog-Serie „Digitale Souveränität". In den nächsten Wochen gehen wir ins Detail:
- Was passiert mit euren Daten, wenn Trump den Stecker zieht? – CLOUD Act, DSGVO und warum Datensouveränität kein Buzzword ist
- kSuite statt Google Workspace – Unser detaillierter Vergleich mit Migrationserfahrung
- Digitalisierung als Wachstumstreiber für KMU – Strategien, Praxisbeispiele und 5-Schritte-Plan
Geht es euch genauso?
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